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Über Geschmack lässt sich (nicht) streiten

  • Autorenbild: Stolli
    Stolli
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Tiger sind Feinschmecker
Tiger sind Feinschmecker

Tiger sind bekanntlich recht streitsüchtige Gesellen und Einzelgänger obendrein, das gilt für die Weibchen genau wie für die Männchen. Auch TextTiger machen da keinen Unterschied. Über Geschmack würden sie jedoch nicht so sehr streiten, eher um das größte Revier und somit auch die größten Fleischportionen. Aber frisst jeder Tiger gleich gern Antilope oder darf es für die eine oder andere Raubkatze doch lieber Hirsch sein? Auch im Tierreich kann Geschmack einen Unterschied machen, da ist der Tiger doch ganz Mensch. Vor allem der TextTiger, dem kulinarische Genüsse ähnlich wichtig sind wie dem Inhaber dieses Blogs.

 

Dass sich Menschen uneins darüber sind, ob eine bestimmte Mahlzeit oder ein Wein gut schmeckt oder nicht, das kann man jeden Tag tausendfach bei den verschiedensten Leuten beobachten. Ja, über Geschmack lässt es sich ganz vortrefflich streiten, auch wenn es doch eigentlich sinnlos ist. Oft fällt es sogar schwer sich darauf zu einigen, ob ein Gericht wie etwa Spaghetti Bolognese gut oder schlecht gelungen ist. Das fängt schon bei den Spaghetti an. Der eine mag sie eher sehr al Dente (gelle Stolli 😉), der andere eher nicht ganz so hart. Und darf es mehr oder weniger Oregano sein? Mehr oder weniger Salz? Etwas tomatiger oder doch lieber fast kein Tomatenmark zur Soße hinzugeben? Man sieht schon, dass man an ganz einfachen Gerichten scheitert. Als Paar gelingt es meist über die Jahre, für ein bestimmtes Repertoire an Speisen einen gemeinsamen Nenner zu finden. Heißt, dass ein Gericht, wenn es nach einer bestimmten Art und Weise gekocht ist (geringe Variationen sind erlaubt und auch erwünscht, denn Kochen bedeutet auch kreativ sein), für beide wohlschmeckend ist.

 

Doch je feiner die Geschmacksnuancen werden, desto schwieriger fällt eine Einigung. Sicherlich würde auch das vertrauteste Paar die im Essen verwendete Dosis Oregano oder gar den Grad der Schärfe etwas unterschiedlich empfinden. Doch das krasseste Beispiel ist sicherlich Wein, der für den TextTiger zu jedem guten Essen dazu gehört und ruhig auch mal solo genossen werden darf. Da ist der Tiger wieder ganz Mensch. Es gibt tatsächlich Weinfreunde, die eine starke Zitrusnote bei einem italienischen Weißwein als sehr angenehm und erfrischend empfinden. Und bei einem deutschen Grauburgunder mit leichter Weinsäure, die von anderen überhaupt nicht wahrgenommen wird, angeekelt das Gesicht verziehen und mental schon mal Sodbrennen bekommen. Da muss man gar nicht bis zu den teils recht speziellen Aromen gehen, die professionelle Weinverkoster riechen und schmecken. Oder wer würde schon ernsthaft wollen, dass ein Wein nach Leder oder Pferdeschweiß schmeckt? Manchmal ist es eben auch gut, wenn das Geruchs- und Geschmacksorgan nicht ganz so fein ausgebildet ist, man erspart sich einiges. Und muss nicht noch mehr über den Geschmack von Speisen und Getränken diskutieren, was manchmal nervt, aber viel öfter auch Freude macht. In der Haut von Gastronomen möchte der TextTiger allerdings nicht stecken. Wie sollen sie es jemals schaffen, es allen Gästen recht zu machen? Da verwundert es nicht, wenn oft wenig kreative und mäßig gewürzte Speisen auf den Tisch kommen. Wer hingegen polarisiert und beherzt würzt und neue Speisen kreiert, der verlangt viel Geld vom Gast und wird dafür, wenn er Glück hat, mit einer zahlungskräftigen Stammkundschaft belohnt.

 

Was also tun mit dem Geschmacksdilemma? Gar nichts, hier kann es nur ein „weiter so“ geben. Denn es ist gut und richtig, über Geschmack zu streiten oder eben auch nicht, weil es eh keinen Sinn hat. Gutes Essen und Trinken allerdings sind mit das Wichtigste im Leben, darüber zumindest sollte sich jeder klar werden. Und so ist es gut und richtig, eher mehr als weniger über das eine oder andere Gericht, Restaurant oder einen bestimmten Wein zu reden, schreiben und von mir aus auch zu streiten.

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